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Schmerzensgeld: Ein umfassender Leitfaden zu Anspruch und Höhe
Aktualisiert am 29.05.2026 • Henrik Momberger, Fachanwalt für Verkehrsrecht • Kanzlei Momberger Rechtsanwälte
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Was ist Schmerzensgeld?
Nicht jede finanzielle Entschädigung für immaterielle Nachteile ist automatisch „Schmerzensgeld“. Juristisch präzise bezieht sich der Begriff auf den Ersatz von immateriellen Schäden, wie er in § 253 Abs. 2 BGB und spezialgesetzlichen Regelungen (z. B. im Straßenverkehrsgesetz) definiert ist.
Der Anspruch besteht primär in Fällen der Verletzung von:
- Körper
- Gesundheit
- Freiheit
- Sexueller Selbstbestimmung
Andere Entschädigungen, wie etwa bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen oder das Hinterbliebenengeld, sind vom klassischen Schmerzensgeld zu unterscheiden.
Die Funktion des Schmerzensgeldes
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) erfüllt das Schmerzensgeld eine Doppelfunktion:
- Ausgleichsfunktion: Der Geschädigte soll für die erlittenen Schmerzen und Lebensbeeinträchtigungen entschädigt werden. Die Zahlung soll dazu beitragen, das Leben im Rahmen des Möglichen wieder angenehmer zu gestalten.
- Genugtuungsfunktion: Sie trägt dem Gedanken Rechnung, dass der Schädiger dem Opfer für das angetane Leid Genugtuung schuldet.
Diese Doppelfunktion ist entscheidend für die Berechnung der Höhe, da sie alle Umstände des Einzelfalls – einschließlich des Verschuldensgrads des Täters – berücksichtigt.
Voraussetzungen für einen Schmerzensgeldanspruch
Damit ein Anspruch nach § 253 Abs. 2 BGB besteht, muss eine Verletzung eines der geschützten Rechtsgüter vorliegen.
1. Körper und Gesundheit
Hierunter fällt jeder unbefugte Eingriff in die körperliche Integrität. Dies umfasst nicht nur direkte körperliche Verletzungen, sondern auch:
- Gesundheitsbeschädigungen durch Ansteckung.
- Psychische Störungen von Krankheitswert (z. B. posttraumatische Belastungsstörungen oder Schockschäden).
- Sogenannte Schockschäden bei Angehörigen, wenn diese durch die Nachricht vom Tod oder einer schweren Verletzung eines Nahestehenden pathologisch fassbar erkranken.
2. Freiheit
Geschützt ist die körperliche Bewegungsfreiheit. Ein Anspruch kann bereits bei kurzfristigen, ungerechtfertigten Freiheitsentziehungen entstehen, wie etwa:
- Rechtswidrige Ingewahrsamnahme durch die Polizei.
- Ungerechtfertigtes Festhalten durch einen Kaufhausdetektiv.
- Fixierungen im Krankenhaus.
3. Sexuelle Selbstbestimmung
Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (z. B. durch Sexualdelikte oder Missbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen) begründen ebenfalls einen Anspruch.
Wie wird die Höhe des Schmerzensgeldes bemessen?
Es gibt keine festen Sätze. Das Gesetz spricht von einer „billigen Entschädigung in Geld“. Die Höhe wird durch eine Gesamtbetrachtung aller Umstände des Einzelfalls ermittelt.
Wichtige Bemessungskriterien (Checkliste)
Gerichte orientieren sich an folgenden Faktoren:
- Intensität der Verletzung: Art und Schwere der Schäden.
- Behandlungsverlauf: Dauer des Krankenhausaufenthalts, Operationen, Reha-Maßnahmen.
- Dauerschäden: Bleibende Beeinträchtigungen in Beruf, Freizeit oder Haushalt.
- Leidensdauer: Wie lange hielten die Schmerzen an?
- Alter des Verletzten: Bei jungen Menschen mit Dauerschäden fallen Summen oft höher aus, da sie länger mit den Folgen leben müssen.
- Verschulden des Schädigers: Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit können das Schmerzensgeld erhöhen (Genugtuungsfunktion).
- Regulierungsverhalten: Eine zögerliche Schadensregulierung durch die Versicherung kann schmerzensgelderhöhend wirken.
Orientierungshilfen
Da die Festsetzung im Ermessen des Richters liegt (§ 287 ZPO), nutzen Juristen Schmerzensgeldtabellen. Diese sammeln vergleichbare Urteile, um eine Orientierung zu bieten. Wichtig ist dabei, ältere Urteile an die aktuelle Geldentwertung (Inflation) anzupassen.
Wichtig: Das sogenannte „taggenaue Schmerzensgeld“ (Berechnung nach Tagessätzen) wurde vom BGH abgelehnt. Es gilt stets die Gesamtbetrachtung.
Besonderheiten: Mitverschulden und Vererblichkeit
- Mitverschulden: Trägt der Geschädigte eine Mitschuld (z. B. kein Sicherheitsgurt), wird dies bei der Bemessung berücksichtigt und mindert den Anspruch.
- Vererblichkeit: Der Anspruch auf Schmerzensgeld ist frei vererblich, auch wenn der Erblasser ihn zu Lebzeiten noch nicht geltend gemacht hat.
- Steuer: Schmerzensgeld selbst ist steuerfrei. Lediglich Zinsen, die aus der Anlage des Geldes erwirtschaftet werden, unterliegen der Steuerpflicht.
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Henrik Momberger — Fachanwalt für Verkehrsrecht
Inhaber der Kanzlei Momberger Rechtsanwälte in Düsseldorf. Seit über 25 Jahren spezialisiert auf Verkehrsrecht. Acht Fachanwälte für Verkehrsrecht im Team. ADAC-Vertragsanwalt.
Höherweg 101, 40233 Düsseldorf • 0211 / 280 646 0 • ramom.de
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MPU 2026: Ablauf, Kosten und Vorbereitung des „Idiotentests“
📅 Aktualisiert am 28.05.2026 • ✏ Christoph Schlichting, Rechtsanwalt • ⏱ Lesezeit: 9 Minuten
📌 KURZ ZUSAMMENGEFASST
Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) – umgangssprachlich Idiotentest – ist Voraussetzung für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis nach Entzug. Kosten 2026: 1.000–3.000 € (inkl. Vorbereitung und Abstinenznachweis). Dauer der gesamten Untersuchung: ca. 3,5 Stunden. Durchfallquote: etwa 33 %. Mit professioneller Vorbereitung steigen die Chancen deutlich. Der Abstinenznachweis muss 6–12 Monate vor der MPU laufen.
📖 Inhalt
Wann muss man zur MPU?
Die MPU wird von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet, wenn Zweifel an Ihrer Eignung als Kraftfahrer bestehen. Die wichtigsten Anlässe:
- Alkohol am Steuer ab 1,6 ‰ (Pflicht-MPU nach § 13 FeV)
- Wiederholte Trunkenheitsfahrten (auch unter 1,6 ‰)
- Drogenfahrt (THC ab 1 ng/ml im Blut)
- 8 oder mehr Punkte in Flensburg
- Straftaten mit Fahrzeugbezug (z. B. Fluchtfahrt)
- Körperliche/psychische Mängel (Demenz, Sehvermögen, etc.)
- Fahrradfahrer ab 1,6 ‰ – obwohl es zur PKW-Lizenz geht
Ablauf der MPU im Detail
Die MPU dauert insgesamt etwa 3,5 Stunden und besteht aus vier Hauptteilen:

1. Anmeldung & Fragebögen (ca. 40 Min)
Aufnahme der persönlichen Daten, medizinische Vorgeschichte, Trinkverhalten/Drogenanamnese. Wahrheitsgemäße Angaben sind Pflicht – Falschangaben können zum Nichtbestehen führen.
2. Medizinische Untersuchung (ca. 30 Min)
Körperliche Untersuchung, Sehtest, Reaktionstests. Laborwerte: Blutbild, Leberwerte (GGT, GOT, GPT, CDT, MCV) – sehr wichtig bei Alkoholverdacht.
3. Psychologisches Gespräch (ca. 60–90 Min)
Das Herzstück der MPU. Der Gutachter prüft:
- Ursachen Ihres Verhaltens (warum kam es zur Tat?)
- Aufarbeitung (Reflexion über Vergangenheit)
- Verhaltensänderung (was haben Sie konkret verändert?)
- Zukunftsprognose (warum wird es nicht wieder passieren?)
⚠ Tipp: Floskeln und auswendiggelernte Antworten erkennen Gutachter sofort. Authentisches Reflektieren ist Pflicht.
4. Leistungstest (ca. 20 Min)
Computergestützte Reaktionstests: Reaktionszeit, Konzentration, Belastbarkeit. Hier scheitern die wenigsten – bei normaler kognitiver Leistung.
Kosten der MPU 2026
Die Gesamtkosten liegen meist bei 1.000–3.000 €, abhängig von:
| Posten | Typische Kosten |
|---|---|
| MPU-Begutachtung (TÜV / DEKRA) | 450 – 750 € |
| Vorbereitungskurs (10–15 Sitzungen) | 800 – 2.000 € |
| Abstinenznachweis Urin (6 Proben à 60–100 €) | 400 – 600 € |
| Abstinenznachweis Haar (alle 3 Monate) | 200 – 300 € / Test |
| Gebühren Fahrerlaubnisbehörde | 100 – 200 € |
| Gesamt typisch | 1.500 – 3.500 € |
Vorbereitung und Erfolgschancen
Ohne Vorbereitung: Durchfallquote ca. 33 %. Mit professioneller Vorbereitung: Erfolgsquote auf über 90 %.
Was gehört zur Vorbereitung?
- Aufarbeitung der Vergangenheit: Was war Auslöser? Welche Lebenssituation?
- Verhaltensänderung dokumentieren: Alkoholabstinenz, Selbsthilfegruppe, Therapie
- Trinktagebuch für ehemalige Trinker
- Verkehrspsychologische Beratung bei zertifiziertem Berater
- Probegespräche mit Verkehrspsychologen
- Leistungstest-Training (Reaktionsübungen)
Abstinenznachweis: Urin oder Haar?
Für Alkohol- und Drogen-MPU ist ein lückenloser Abstinenznachweis Pflicht.
| Methode | Zeitraum | Vorteile | Kosten |
|---|---|---|---|
| Urinprobe | 6 Proben in 6–12 Mon. | Günstiger | 60–100 € je Probe |
| Haaranalyse | 3-Monatszyklen | Lückenloser Nachweis | 200–300 € je Test |
⚠ Achtung: Eine unterbrochene Abstinenz (auch nur kurz!) macht den gesamten Nachweis ungültig. Strikte Disziplin ist Pflicht.
Typische Fragen im psychologischen Gespräch
Sie müssen mit Fragen wie diesen rechnen:
- Wie viel haben Sie typischerweise getrunken? (oder Drogen konsumiert)
- Wie kam es zur Trunkenheitsfahrt am Tattag?
- Wie haben Sie sich gefühlt? Was war der Anlass?
- Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein Problem haben?
- Was haben Sie konkret verändert? (Antworten müssen prüfbar sein!)
- Wie gehen Sie zukünftig mit Stress / sozialen Anlässen um?
- Welche Rückfallrisiken sehen Sie selbst?
- Was unterscheidet Sie heute von damals?
Durchgefallen – und jetzt?
Wer die MPU nicht besteht, kann:
- Sofort wiederholen – aber gleiche Kosten wieder!
- Gutachten anfechten – sehr selten erfolgreich, nur bei nachweisbaren Fehlern
- Intensive Vorbereitung mit professionellem Verkehrspsychologen
- Antrag mit Verzögerung – wenn Vorgeschichte ein wenig älter, sind die Chancen besser
Wann lohnt sich ein Anwalt?
Ein Anwalt für Verkehrsrecht hilft vor der MPU bei strategischen Fragen:
- Ist die MPU überhaupt rechtmäßig angeordnet? (Beispiel: zu lange zurückliegende Tat)
- Welche Vorbereitung passt zu meinem Fall? Empfehlung qualifizierter Verkehrspsychologen
- Wann sollte ich beantragen? Timing entscheidet oft über Erfolg
- Ist eine Klage gegen die MPU-Anordnung sinnvoll?
- Wie gehe ich mit der Fahrerlaubnisbehörde um?
MPU-Beratung gewünscht? Wir klären Ihre Strategie – per WhatsApp oder 0211 / 280 646 0.
Häufige Fragen zur MPU
Wer muss zur MPU?
Alle, die ihre Fahrerlaubnis wegen Alkohol/Drogen/Punkten verloren haben – insbesondere ab 1,6 ‰ Alkohol (auch bei Ersttätern!) oder bei 8+ Punkten in Flensburg.
Wie lange dauert die MPU?
Die eigentliche Untersuchung dauert ca. 3,5 Stunden. Bis das Gutachten vorliegt, vergehen weitere 1–2 Wochen. Mit Vorbereitung und Abstinenznachweis sollten Sie 6–12 Monate einplanen.
Was kostet die MPU 2026?
Gesamtkosten 1.500–3.500 €: ca. 600 € Begutachtung, 800–2.000 € Vorbereitung, 400–600 € Abstinenznachweis.
Wie hoch ist die Durchfallquote?
Ohne Vorbereitung etwa 33 %. Mit professioneller Vorbereitung beim Verkehrspsychologen sinkt die Quote auf unter 10 %.
Kann ich die MPU umgehen?
In Einzelfällen ja: bei Verfahrensfehlern der Behörde, bei Verjährung oder bei EU-Führerschein aus EU-Land mit Wohnsitz dort (komplex, anwaltliche Prüfung nötig).
Wie lange ist eine MPU gültig?
Das positive Gutachten ist unbegrenzt gültig, solange keine neuen Eignungszweifel entstehen.
Welche Werte (CDT, GGT) sind kritisch?
CDT > 1,6 % oder GGT mehrfach erhöht deuten auf Alkoholkonsum hin und führen oft zum Nichtbestehen.
Was ist Tatentlastung?
Wenn die letzte Tat über 10 Jahre zurück liegt und Sie seitdem unauffällig sind, kann die MPU entfallen oder vereinfacht werden.
Hilft Hypnose oder Coaching wirklich?
Seriöse verkehrspsychologische Beratung bei BfA/DGVP-zertifizierten Beratern wirkt nachweisbar. Hypnose-Angebote sind dagegen meist unseriös.
Was passiert, wenn ich die MPU verweigere?
Die Fahrerlaubnis wird endgültig nicht erteilt. Sie sind dann praktisch ein Führerscheinloser auf Lebenszeit, bis Sie sich der MPU stellen.

Christoph Schlichting
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verkehrsrecht
Schwerpunkte: Fahrerlaubnis- und Führerscheinrecht, MPU-Vorbereitung, Bußgeldverfahren. Bundesweit tätig, Kanzlei Düsseldorf.
📞 0211 / 280 646 0 • ✉
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Bussgeldkatalog Geschwindigkeit 2026: Bussgelder, Punkte, Fahrverbot
📅 Aktualisiert am 28.05.2026 • ✏ Henrik Momberger, Rechtsanwalt • ⏱ Lesezeit: 10 Minuten
📌 KURZ ZUSAMMENGEFASST
Bussgelder bei Geschwindigkeitsüberschreitung mit dem PKW starten bei 30 € (innerorts) bzw. 20 € (außerorts) und reichen bis zu 800 €. Punkte in Flensburg gibt es ab 21 km/h zu schnell. Ein Fahrverbot droht innerorts ab 31 km/h, außerorts ab 41 km/h zu schnell. Wiederholungstäter werden bereits ab 2×26 km/h innerhalb 12 Monaten mit Fahrverbot belegt. Toleranz: 3 km/h bei stationaeren Messungen unter 100 km/h, sonst 3 % der gemessenen Geschwindigkeit.
📖 Inhalt dieser Seite
- Bussgeldtabelle PKW innerorts 2026
- Bussgeldtabelle PKW außerorts 2026
- Toleranzabzug bei Messung
- Punkte in Flensburg
- Wann droht Fahrverbot?
- Wiederholungstäter-Regelung
- Probezeit-Fahrer: A-Verstoss
- LKW & Anhängergespann
- Messverfahren: Blitzer, Laser, Section Control
- Anhörungsbogen erhalten – was tun?
- Einspruch gegen Bussgeldbescheid
- Wann lohnt sich ein Anwalt?
- Häufige Fragen (FAQ)
Bussgeldtabelle PKW innerorts 2026
Innerhalb geschlossener Ortschaften gelten verschaerfte Bussgelder – im Vergleich zu außerorts liegen die Bussgelder etwa 15–30 % höher. Hier die komplette Tabelle nach Bundes-Bussgeldkatalog (BKatV):

| Überschreitung | Bussgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| bis 10 km/h | 30 € | – | – |
| 11 – 15 km/h | 50 € | – | – |
| 16 – 20 km/h | 70 € | – | – |
| 21 – 25 km/h | 115 € | 1 | – |
| 26 – 30 km/h | 180 € | 1 | (1 Monat) * |
| 31 – 40 km/h | 260 € | 2 | 1 Monat |
| 41 – 50 km/h | 400 € | 2 | 1 Monat |
| 51 – 60 km/h | 560 € | 2 | 2 Monate |
| 61 – 70 km/h | 700 € | 2 | 3 Monate |
| über 70 km/h | 800 € | 2 | 3 Monate |
* Fahrverbot nur bei Wiederholungstätern (siehe § Wiederholungstäter-Regelung)
Bussgeldtabelle PKW außerorts 2026
Außerhalb geschlossener Ortschaften sind die Bussgelder geringer – aber Fahrverbote drohen erst später:
| Überschreitung | Bussgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| bis 10 km/h | 20 € | – | – |
| 11 – 15 km/h | 40 € | – | – |
| 16 – 20 km/h | 60 € | – | – |
| 21 – 25 km/h | 100 € | 1 | – |
| 26 – 30 km/h | 150 € | 1 | (1 Monat) * |
| 31 – 40 km/h | 200 € | 1 | (1 Monat) * |
| 41 – 50 km/h | 320 € | 2 | 1 Monat |
| 51 – 60 km/h | 480 € | 2 | 1 Monat |
| 61 – 70 km/h | 600 € | 2 | 2 Monate |
| über 70 km/h | 700 € | 2 | 3 Monate |
* Fahrverbot nur bei Wiederholungstätern (siehe Wiederholungstäter-Regelung)
Toleranzabzug bei der Messung
Damit Messungenauigkeiten berücksichtigt werden, ziehen die Behörden automatisch eine Toleranz von der gemessenen Geschwindigkeit ab. Die Werte legt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) fest:
- Stationäre Blitzer: 3 km/h Abzug unter 100 km/h, 3 % der Geschwindigkeit ab 100 km/h.
- Mobile Lasermessung (Polizei): in der Regel ebenfalls 3 km/h / 3 %.
- Videoaufzeichnung aus dem Fahrzeug: 4–5 km/h / 4–5 %.
- Bei besonders ungenauen Verfahren: bis zu 7 % Abzug.
💡 Beispiel: Wird auf der Autobahn 138 km/h gemessen, werden 3 % (= ca. 4 km/h) abgezogen – die vorwerfbare Geschwindigkeit ist 134 km/h. Bei einem Limit von 100 km/h sind das also 34 km/h über dem Limit (1 Punkt, 200 €, mögliches Fahrverbot bei Wiederholung).
Punkte in Flensburg
Punkte im Fahreignungsregister (FAER, umgangssprachlich „Flensburg“) gibt es ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 km/h:
- 1 Punkt: 21–40 km/h zu schnell (außerorts: bis 40 km/h)
- 2 Punkte: ab 41 km/h zu schnell (innerorts: ab 31 km/h)
Punkte-Folgen im Fahreignungs-Bewertungssystem:
- 1–3 Punkte: keine Maßnahme
- 4–5 Punkte: Ermahnung der Fahrerlaubnisbehörde
- 6–7 Punkte: Verwarnung + Hinweis auf freiwilliges Fahreignungsseminar
- 8 Punkte: Entzug der Fahrerlaubnis – Wiedererteilung erst nach 6 Monaten und ggf. MPU
Wann droht ein Fahrverbot bei zu schnellem Fahren?
Ein Regel-Fahrverbot nach § 25 Abs. 1 StVG wird verhängt bei:
- Innerorts: ab 31 km/h zu schnell – 1–3 Monate Fahrverbot
- Außerorts: ab 41 km/h zu schnell – 1–3 Monate Fahrverbot
- Wiederholungstäter: bereits ab 26 km/h zu schnell, wenn innerhalb 12 Monaten zum zweiten Mal
Fahrverbot abwenden – ist das möglich?
Ja, in vielen Fällen. Klassische Angriffspunkte:
- Messfehler: Prüfung der Messunterlagen auf Bauartzulassung, Eichschein, korrekte Aufstellung, Witterungseinflüsse.
- Identifikation: Ist auf dem Blitzerfoto wirklich der eingetragene Halter zu sehen?
- Beruflicher Ausnahmefall: Verlust des Arbeitsplatzes als unzumutbare Härte – Umwandlung in erhöhtes Bussgeld nach § 4 Abs. 4 BKatV.
- Augenblicksversagen: Bei plötzlicher Geschwindigkeitsbegrenzung ohne hinreichende Vorankündigung.
Wiederholungstäter-Regelung im Detail
Auch unterhalb der üblichen Fahrverbot-Schwellen droht ein einmonatiges Fahrverbot, wenn:
- der Fahrer innerhalb von 12 Monaten zwei Mal mit über 25 km/h zu schnell auffällt,
- der erste Verstoß rechtskräftig ist (Bussgeldbescheid nicht angefochten oder Verfahren abgeschlossen).
⚠ Wichtig: Diese 12-Monatsfrist beginnt mit der Rechtskraft des ersten Bescheids, nicht mit dem Tattag. Ein klug geplanter Einspruch kann hier viel retten.
Probezeit-Fahrer: Schon ab 21 km/h ein A-Verstoss
Fahranfänger in der 2-jährigen Probezeit trifft jede Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 20 km/h als A-Verstoß – mit erheblichen Folgen:
- Erste Auffälligkeit: Probezeit-Verlängerung um 2 Jahre (insgesamt 4 Jahre) + Pflicht zum Aufbauseminar (Kosten: ca. 350–500 €).
- Zweite Auffälligkeit: schriftliche Verwarnung + Empfehlung verkehrspsychologische Beratung.
- Dritte Auffälligkeit: Entzug der Fahrerlaubnis.
💡 Praxistipp: Wenn Sie in der Probezeit geblitzt wurden, ist die anwaltliche Vertretung besonders wichtig. Wir prüfen die Messung kritisch, denn schon kleine Reduzierungen (z. B. von 22 auf 19 km/h Überschreitung) können das Aufbauseminar komplett verhindern.
LKW und Anhängergespann – verschaerfte Bussgelder
Für LKW über 3,5 t und für PKW mit Anhänger gelten deutlich höhere Bussgelder – teilweise mehr als doppelt so hoch wie für normale PKW:
LKW über 3,5 t / PKW mit Anhänger – Innerorts:
| Überschreitung | Bussgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| bis 10 km/h | 40 € | – | – |
| 11 – 15 km/h | 60 € | – | – |
| 16 – 20 km/h | 160 € | 1 | – |
| 21 – 25 km/h | 175 € | 1 | – |
| 26 – 30 km/h | 235 € | 2 | 1 Monat |
| 31 – 40 km/h | 340 € | 2 | 1 Monat |
| 41 – 50 km/h | 560 € | 2 | 2 Monate |
| 51 – 60 km/h | 700 € | 2 | 3 Monate |
| über 60 km/h | 800 € | 2 | 3 Monate |
Für Gefahrgut-Transporte kommen Aufschläge bis 950 € (innerorts) bzw. 900 € (außerorts) hinzu.
Messverfahren: Wo lauern Fehler?
Nicht jede Messung ist rechtssicher. Die wichtigsten Verfahren in Deutschland:
Stationäre Blitzer
Fest installierte Säulen, meist mit Radar- oder Lasertechnik. Gemessen wird beim Vorbeifahren am Sensor. Schwachstellen: falsche Aufstellung, fehlerhafte Eichung, Verschmutzung der Kamera, Verschattung im Bild.
Mobile Laser-Messung
Polizei mit Laserpistolen (Riegl, Vitronic, Leivtec etc.). Hier sind Bedienfehler besonders häufig: falscher Anvisierwinkel, kurze Messstrecke, fehlende Schulung des Polizisten. Bei mehreren Leivtec-Geräten wurde 2021 die Bauartzulassung sogar widerrufen.
Video-Brillenmessung / Provida
Polizei fährt hinter Verdaechtigem her und misst über Tachoabgleich oder Videosystem. Toleranz hoch (bis 7 %), Messstrecke muss korrekt definiert sein.
Section Control (Streckenmessung)
In Deutschland erst seit 2019 zugelassen, derzeit nur an wenigen Stellen (z. B. Niedersachsen B6). Misst die Durchschnittsgeschwindigkeit über längere Strecken.
Abstandsmessung
Brückenkameras messen Abstand zum Vordermann. Bei Geschwindigkeitsverstössen wird oft parallel auch das Tempo gemessen.
⚠ Wichtig: Lassen Sie die Messung immer von einem Verkehrsanwalt prüfen. Statistisch sind 30–40 % der Messungen angreifbar – insbesondere wegen formaler Fehler.
Anhörungsbogen erhalten – was tun?
Nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung erhalten Sie typischerweise einen Anhörungsbogen oder Zeugenfragebogen. Hier die 6 wichtigsten Schritte:

- Nicht ausfüllen. Sie sind als Beschuldigter nicht verpflichtet, Angaben zur Sache zu machen.
- Nur Personalien angeben, wenn explizit gefragt (Name, Anschrift, Geburtsdatum).
- Niemals den Fahrer benennen, wenn Sie nicht 100 % sicher sind – das kann sich als Aussage gegen sich selbst werten lassen.
- Akteneinsicht durch Anwalt beantragen lassen. Erst dann ist klar, ob die Messung sauber ist.
- Frist (meist 1 Woche) notieren, aber niemand muss am letzten Tag antworten.
- Bei drohendem Fahrverbot: sofort Anwalt einschalten – vor dem Bussgeldbescheid.
Einspruch gegen den Bussgeldbescheid
Nach Erhalt des Bussgeldbescheids haben Sie 2 Wochen Zeit für einen Einspruch (§ 67 OWiG). Diese Frist ist absolut – eine Verlängerung gibt es nicht.
Wann lohnt sich der Einspruch?
- Wenn ein Fahrverbot droht.
- Wenn ein Punkt oder mehr in Flensburg dazukommt und Sie nah an einer Punkte-Stufe stehen.
- Wenn die Messung zweifelhaft ist (Witterung, Sicht, Aufstellung).
- Wenn Sie nicht der Fahrer waren oder die Identifizierung schwierig ist.
- Wenn ein Probezeit-Verstoß droht.
Was kostet der Einspruch?
Die Anwaltskosten betragen typischerweise 600–1.500 €. Bei einer Verkehrs-Rechtsschutzversicherung sind diese Kosten in der Regel komplett gedeckt – auch bei Niederlage.
Wann lohnt sich ein Anwalt bei Geschwindigkeitsüberschreitung?
Faustregel: Ab einem drohenden Fahrverbot oder Punkt-Eintrag sollten Sie sich anwaltlich vertreten lassen. Die Kosten amortisieren sich oft schon allein durch die Umwandlung des Fahrverbots in ein erhöhtes Bussgeld.
Was kann ein Anwalt erreichen?
- Prüfung der Messung auf Fehler (30–40 % der Fälle angreifbar)
- Aktenträchtige Akteneinsicht über das Wissenschaftliche Messdaten-Sachverständigenbüro
- Umwandlung Fahrverbot in Bussgelderhöhung (§ 4 Abs. 4 BKatV)
- Verfahrenseinstellung wegen Geringfügigkeit (§ 47 OWiG)
- Reduktion des Bussgeldbetrags durch Hinweis auf wirtschaftliche Verhältnisse
- Verteidigung in der Hauptverhandlung beim Amtsgericht
Akute Hilfe nötig? Wir sind bundesweit erreichbar – per WhatsApp oder telefonisch unter 0211 / 280 646 0. Kostenlose Ersteinschätzung innerhalb 24 Stunden.
Häufige Fragen zur Geschwindigkeitsüberschreitung
Ab wieviel km/h zu schnell gibt es einen Punkt in Flensburg?
Ab 21 km/h über dem Tempolimit – sowohl innerorts als auch außerorts.
Ab wieviel km/h zu schnell gibt es ein Fahrverbot?
Bei Ersttätern: innerorts ab 31 km/h zu schnell, außerorts ab 41 km/h. Wiederholungstäter bereits ab 26 km/h (zweimal innerhalb 12 Monaten).
Wieviel Toleranz wird abgezogen?
Bei stationären Blitzern: 3 km/h unter 100 km/h, 3 % ab 100 km/h. Bei Videoaufzeichnungen aus dem Fahrzeug bis zu 7 %.
Was kostet 20 km/h zu schnell innerorts?
70 € Bussgeld, keine Punkte, kein Fahrverbot. Außerorts sind es 60 €.
Was kostet 30 km/h zu schnell innerorts?
180 € Bussgeld + 1 Punkt. Fahrverbot nur für Wiederholungstäter (zweite Tat innerhalb 12 Monaten).
Was kostet 50 km/h zu schnell?
Innerorts: 400 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot. Außerorts: 320 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot.
Was passiert in der Probezeit nach Blitzer?
Bei mehr als 20 km/h zu schnell: A-Verstoss mit Probezeitverlängerung auf 4 Jahre + Aufbauseminar. Bis 20 km/h: keine Probezeit-Folgen.
Bis wann muss ich auf den Anhörungsbogen antworten?
Meist innerhalb von 1 Woche, manchmal 14 Tage. Die Frist ist aber nicht zwingend – die Verjährungsfrist beträgt 3 Monate ab Tatzeitpunkt.
Kann ich nach einem Blitzer eine MPU bekommen?
Nicht direkt durch eine einzelne Geschwindigkeitsmessung. Eine MPU droht erst bei 8 Punkten in Flensburg oder bei Verkehrsstraftaten (z. B. Promille über 1,6).
Wann verjährt eine Geschwindigkeitsüberschreitung?
Die Verfolgungsverjährung als Ordnungswidrigkeit beträgt 3 Monate ab dem Tattag – vorausgesetzt, in dieser Zeit erfolgt keine Unterbrechung durch Anhörungsbogen oder Vernehmung.
Reicht der Blitzer-Aufnahme allein als Beweis?
Nein. Behörden müssen die Identifikation des Fahrers nachweisen. Wenn das Foto unscharf ist oder eine andere Person darauf zu sehen ist, kann das Verfahren eingestellt werden.
Bekomme ich bei zu schnellem Fahren einen Führungszeugnis-Eintrag?
Nein. Geschwindigkeitsüberschreitungen sind Ordnungswidrigkeiten und werden ausschließlich im Fahreignungsregister (Flensburg) gespeichert, nicht im polizeilichen Führungszeugnis.

Henrik Momberger
Rechtsanwalt, Inhaber der Kanzlei Momberger Rechtsanwälte
Schwerpunkte: Verkehrsstrafrecht, Bussgeldsachen (Geschwindigkeit, Abstand, Rotlicht), Punkte in Flensburg, Probezeit-Verstösse. Bundesweit tätig, Kanzlei in Düsseldorf.
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Blitzer-Fehler und Rohmessdaten: Warum die digitale Beweisführung über Ihren Einspruch entscheidet
Wer einen Bußgeldbescheid erhält – sei es wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung oder eines Abstandsverstoßes –, sieht sich oft einer scheinbar übermächtigen Technik gegenüber. Die Behörde präsentiert ein Foto und einen Messwert. Die implizite Botschaft: "Das Gerät ist geeicht, der Wert stimmt."
Doch hinter den Kulissen tobt seit Jahren ein juristischer und technischer Streit um die Frage, ob man diesem "blinden Vertrauen" in die Technik folgen darf. Im Zentrum stehen dabei die sogenannten Rohmessdaten. Diese digitalen Datensätze sind der Schlüssel, um Fehler in der Messung überhaupt erst sichtbar zu machen. Werden sie der Verteidigung vorenthalten, ist ein faires Verfahren kaum möglich.
In diesem Artikel analysieren wir detailliert, warum Rohmessdaten unverzichtbar sind, wie Systeme wie VKS 3.0 funktionieren und wie die Rechtsprechung die Rechte von Autofahrern gestärkt hat.
Das Problem mit der "Black Box": Was sind Rohmessdaten eigentlich?
Um zu verstehen, warum Anwälte und Gutachter so vehement auf die Herausgabe von Daten pochen, muss man den Unterschied zwischen einem Messwert und Rohmessdaten verstehen.
- Der Messwert ist das Endergebnis, das im Bußgeldbescheid steht (z. B. "124 km/h").
- Die Rohmessdaten sind das digitale "Abbild des Geschehens" während der Messung. Sie enthalten alle Parameter, die das Gerät in dem Sekundenbruchteil der Erfassung registriert hat, bevor es daraus den Messwert errechnete.
Warum reicht das Ergebnis nicht aus?
Wenn ein Sachverständiger nur das Endergebnis prüft, kann er lediglich nachrechnen, ob das Gerät richtig gerechnet hat. Er kann aber nicht prüfen, ob die Basis der Berechnung korrekt war. Ein Vergleich aus dem Dokument verdeutlicht dies: Wenn die Rohmessdaten fehlen, findet keine unabhängige Überprüfung statt, sondern lediglich eine Wiederholung des Rechenvorgangs. Fehler bei der Datenerhebung (z. B. Reflektionsfehler, Knickstrahlreflexionen oder Zuordnungsfehler bei mehreren Fahrzeugen) bleiben so in einer "Black Box" verborgen.
Eine echte Überprüfung nach wissenschaftlichen Standards erfordert zwingend den Zugriff auf die Daten, die zum Zeitpunkt der Messung entstanden sind. Nur so lässt sich der vorgeworfene Verstoß verifizieren oder falsifizieren.
"Standardisiertes Messverfahren" vs. Waffengleichheit
Lange Zeit haben sich Gerichte und Behörden auf den Standpunkt gestellt, es handele sich bei Blitzern um "standardisierte Messverfahren". Das bedeutet vereinfacht: Wenn das Gerät geeicht ist und vom Personal richtig bedient wurde, muss das Gericht von der Richtigkeit der Messung ausgehen. Rohdaten wurden der Verteidigung oft mit dem Argument verweigert, sie seien nicht Teil der Akte.
Das Bundesverfassungsgericht greift ein
Diese Praxis hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) als verfassungsrechtlich bedenklich eingestuft. Es betonte den Grundsatz der Waffengleichheit und des fairen Verfahrens.
- Der Grundsatz: Dem Betroffenen müssen grundsätzlich alle Informationen zugänglich gemacht werden, auf die auch die Behörde theoretisch zugreifen könnte – selbst wenn sie (noch) nicht in der Ermittlungsakte liegen.
- Die Konsequenz: Werden Rohmessdaten, die technisch vorhanden sind (oder sein müssten), der Verteidigung vorenthalten, wird eine wirksame Verteidigung beschnitten. Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass die Messung vor Gericht nicht verwertet werden darf oder ein erheblicher Toleranzabzug gewährt werden muss.
Im Fokus: Das Messverfahren VKS 3.0
Ein System, das in der Fachdiskussion und Rechtsprechung (u. a. OLG Karlsruhe, OLG Hamm) immer wieder auftaucht, ist das Verkehrskontrollsystem VKS 3.0.
Wie funktioniert es?
VKS 3.0 wird häufig für Abstandsmessungen von Autobahnbrücken herab eingesetzt. Anders als bei Radar oder Laser basiert die Messung hier auf einer Weg-Zeit-Berechnung mittels Videotechnik.
- Markierungen: Auf der Fahrbahn werden spezielle Passpunkte oder Linien markiert.
- Zeitmessung: Das System misst, wie viel Zeit das Fahrzeug benötigt, um diese definierte Strecke zurückzulegen.
Da es sich bei VKS 3.0 um eine unternehmerische Variante mit einer spezifischen Auswerteweise handelt, ist die Fehleranfälligkeit komplexer als bei einer simplen Lichtschranke. Fehler bei der Einrichtung der Fotogrammetrie (Ausmessung der Fahrbahn) oder bei der Bildauswertung können zu falschen Geschwindigkeits- oder Abstandswerten führen. Ohne die digitalen Rohdaten der Videosequenz und der Codierung kann kein Gutachter prüfen, ob die Markierungen im System korrekt hinterlegt waren.
Relevante Rechtsprechung
Das Dokument verweist auf mehrere wichtige Beschlüsse zu diesem System, die zeigen, wie umstritten die Verwertbarkeit ohne Datenzugang ist:
- OLG Karlsruhe (Beschl. v. 8.4.2016 - 3 (4) SsBs 121/16)
- OLG Hamm (Beschl. v. 22.12.2014 - 3 RBs 264/14)
- BVerfG (Beschl. v. 11.8.2009 - 2 BvR 941/08).
Das Argument der Speicherkapazität
Behörden argumentieren oft, dass das Speichern aller Rohmessdaten technisch zu aufwendig sei oder zu viel Speicherplatz verbrauche. Diesem Argument tritt das vorliegende Fachdokument klar entgegen: "Rein von der Speicherkapazität her sollte es kein Problem darstellen, typischerweise anfallende Datenmengen zu archivieren."
In Zeiten von Terabyte-Festplatten für den Heimgebrauch ist es technisch nicht nachvollziehbar, warum be- und entlastende Beweismittel gelöscht werden sollten. Das Zurückhalten oder Nicht-Speichern dieser Daten kommt einer Beweisvereitelung nahe, da dem Bürger die Möglichkeit genommen wird, den gegen ihn erhobenen Vorwurf technisch zu widerlegen.
Fazit und Handlungsempfehlung
Die Zeiten, in denen ein Blitzerfoto als unumstößlicher Beweis galt, sind vorbei. Fehlerquellen in der modernen Messtechnik sind vielfältig – von Software-Bugs bis hin zu Bedienungsfehlern bei der Einrichtung der Messstellen (z. B. falsche Winkel).
Was sollten Sie tun?
- Nicht vorschnell zahlen: Besonders wenn Punkte oder ein Fahrverbot drohen, lohnt sich die Prüfung.
- Akteneinsicht fordern: Ein spezialisierter Verkehrsrechtsanwalt sollte nicht nur die Bußgeldakte, sondern explizit auch die digitalen Falldateien (Rohmessdaten), die Lebensakte des Geräts und die Wartungsnachweise anfordern.
- Gutachten prüfen lassen: Sollten die Daten vorhanden sein, können diese durch Sachverständige auf Plausibilität geprüft werden. Fehlen die Daten, ist dies ein starkes juristisches Argument für die Einstellung des Verfahrens.
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Punkte in Flensburg 2026: System, Abfrage, Verfall und Abbau
📅 Aktualisiert 28.05.2026 • ✏ Henrik Momberger, Rechtsanwalt • ⏱ Lesezeit: 10 Minuten
📌 KURZ ZUSAMMENGEFASST
Im Fahreignungsregister (FAER) beim KBA in Flensburg werden Verkehrsverstöße mit 1, 2 oder 3 Punkten gespeichert. Bei 8 Punkten wird die Fahrerlaubnis entzogen. Tilgungsfristen: 1 Punkt = 2,5 Jahre, 2 Punkte = 5 Jahre, 3 Punkte = 10 Jahre. Punkte können durch Fahreignungsseminar abgebaut werden – einmal alle 5 Jahre, höchstens von 5 auf 4. Abfrage Ihrer Punkte: kostenlos online beim KBA.
📖 Inhalt
Das Punkte-System (FAER) seit 2014
Seit der Reform am 1. Mai 2014 werden Verkehrsverstöße im Fahreignungsregister (FAER) beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg gespeichert. Das System ersetzte das alte Verkehrszentralregister mit dem 18-Punkte-Modell.
Wichtigste Änderungen seit 2014:
- Maximal 3 Punkte pro Verstoß (vorher 7)
- Entzug der Fahrerlaubnis ab 8 Punkten (vorher 18)
- Keine Tilgungshemmung mehr – jede Tat verfällt eigenständig
- Klar gestaffelte Tilgungsfristen (2,5 / 5 / 10 Jahre)
- Nur noch Verstöße mit direktem Sicherheitsbezug werden eingetragen
Punktestufen und Sanktionen
Das Fahreignungs-Bewertungssystem hat 3 Stufen:

| Punkte | Stufe | Folgen |
|---|---|---|
| 1–3 | Vormerkstufe | Keine Sanktion |
| 4–5 | Ermahnung | Schriftliche Ermahnung + Hinweis auf Fahreignungsseminar |
| 6–7 | Verwarnung | Kostenpflichtige Verwarnung (gebührenpflichtig) |
| 8 | Entzug | Fahrerlaubnis-Entzug, Sperrfrist 6 Monate, ggf. MPU |
Welche Verstöße bringen wie viele Punkte?
1 Punkt
- Geschwindigkeitüberschreitung 21–40 km/h innerorts/außerorts
- Abstandsverstoß (geringer)
- Handy am Steuer
- Rotlicht-Verstoß (einfach)
- 0,5 ‰ Alkohol-OWi
2 Punkte
- Geschwindigkeit über 40/30 km/h zu schnell
- Erheblicher Abstands- oder Überholverstoß
- Drogen im Straßenverkehr (OWi)
- Wiederholte 0,5-‰-Verstöße
- Rotlicht qualifiziert (Gefahr + lange Rotphase)
3 Punkte (Straftaten)
- Trunkenheit im Verkehr ab 1,1 ‰ (§ 316 StGB)
- Fahrerflucht (§ 142 StGB)
- Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c StGB)
- Fahren ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG)
- Nötigung im Straßenverkehr (§ 240 StGB)
Tilgungsfristen 2026
Punkte verfallen automatisch nach festgelegten Zeiten. Wichtig: Seit 2014 gibt es keine Tilgungshemmung mehr – jede Tat verfällt unabhängig von neuen Verstößen.
| Punktezahl | Tilgungsfrist | Typische Verstöße |
|---|---|---|
| 1 Punkt | 2,5 Jahre | Geschwindigkeit, Handy, Rotlicht |
| 2 Punkte | 5 Jahre | Schwere OWi, Drogen-OWi |
| 3 Punkte | 10 Jahre | Straftaten (Promille, Fahrerflucht) |
💡 Die Frist beginnt mit der Rechtskraft des Bescheids/Urteils, nicht mit der Tat selbst.
Überliegefrist von 1 Jahr
Nach Ablauf der Tilgungsfrist werden Punkte zwar aus dem aktiven Bewertungssystem getilgt, aber für weitere 12 Monate überliegend gespeichert. Das verhindert, dass jemand kurz vor dem Verfall noch neue Verstöße provoziert, um den Punktestand zu „reset“en.
Wie kann ich meinen Punktestand abfragen?
Es gibt drei Möglichkeiten:
- Online via KBA-Portal: kostenlos mit Personalausweis-Online-Funktion oder ELSTER – kba-online.de/punkteauskunft
- Schriftlich: Antrag per Post an: Kraftfahrt-Bundesamt, 24932 Flensburg (kostenlos)
- Vor Ort: Persönliche Abfrage in Flensburg (Personalausweis)
Punkte abbauen mit Fahreignungsseminar (FES)
Wer 1–5 Punkte hat, kann freiwillig ein Fahreignungsseminar besuchen und damit 1 Punkt abbauen. Voraussetzungen:
- Aktueller Punktestand max. 5 Punkte
- Letzter Punkteabbau muss mindestens 5 Jahre zurückliegen
- Seminar besteht aus verkehrspädagogischem und verkehrspsychologischem Teil
- Dauer: 4 + 2 Sitzungen à 90 Min in 2–4 Wochen
- Kosten: 389–485 €
Einspruch gegen Punkte-Eintrag
Punkte werden erst nach Rechtskraft des Bußgeldbescheids / Urteils eingetragen. Solange ein Einspruch läuft, gibt es keine Punkte. Klassische Einspruchsgründe:
- Messfehler (Geschwindigkeit, Abstand)
- Fahrer-Identifikation unklar
- Verfahrensfehler
- Verjährung (3 Monate bei OWi ohne Anhörungsbogen)
Wann lohnt sich ein Anwalt?
Spannend wird's, wenn:
- Sie schon 4+ Punkte haben und der nächste Eintrag in die Verwarnungsstufe führt
- Sie kurz vor 8 Punkten stehen – jeder weitere Eintrag = Entzug
- Sie beruflich auf den Führerschein angewiesen sind
- Sie eine Probezeit-Auffälligkeit haben (A-Verstoß)
- Sie ein Bußgeldbescheid mit Punkte-Eintrag erhalten haben – Prüfung auf Messfehler
Punkte vermeiden? Wir prüfen Ihren Fall – WhatsApp oder 0211 / 280 646 0.
FAQ Punkte in Flensburg
Ab wie vielen Punkten ist der Führerschein weg?
Ab 8 Punkten wird die Fahrerlaubnis entzogen. Sperrfrist mindestens 6 Monate, danach Antrag auf Neuerteilung + ggf. MPU.
Wann verfallen Punkte in Flensburg?
1 Punkt nach 2,5 Jahren, 2 Punkte nach 5 Jahren, 3 Punkte nach 10 Jahren. Frist beginnt mit Rechtskraft des Bescheids.
Kann ich Punkte gegen Geld abbauen?
Nein. Punkte können nur durch Fahreignungsseminar abgebaut werden – und nur 1 Punkt alle 5 Jahre.
Wie frage ich meinen Punktestand ab?
Online beim KBA: kba-online.de/punkteauskunft – mit Personalausweis-Online-Funktion kostenlos. Oder schriftlich per Post.
Werden Punkte aus dem Ausland eingetragen?
Nur bei schweren Verstößen (Alkohol, Drogen, schwere OWi). EU-Bußgelder bei Geschwindigkeit, Parken etc. werden nicht in Flensburg eingetragen.
Zählen alte Punkte vor 2014 noch?
Alte Punkte wurden im Mai 2014 nach einem Umrechnungsschlüssel ins neue System übertragen und sind seitdem nach den neuen Regeln zu behandeln.
Was passiert in der Probezeit?
Bei einem A-Verstoß (z. B. mehr als 20 km/h zu schnell): Probezeitverlängerung um 2 Jahre + Aufbauseminar – zusätzlich zu Punkten und Bußgeld.
Wer hat alles Zugriff auf meine Punkte?
Sie selbst, die Fahrerlaubnisbehörde und das Gericht bei Verkehrsverfahren. Nicht die Polizei bei normalen Verkehrskontrollen.

Henrik Momberger
Rechtsanwalt, Kanzlei Momberger Düsseldorf
Fachanwalt-Schwerpunkt Verkehrsrecht. Vertretung bei Bussgeldverfahren, Punkte-Einträgen, Führerschein-Verfahren.
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Wichtige Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Verkehrsrecht. Hier finden Sie ausführliche Darstellungen der bedeutendsten BGH-Urteile zur Kfz-Schadensregulierung, Unfallschadensabwicklung und verwandten Themen.

